Sticken im Fadenkreuz

Gute Vorsätze…

Das FADENKREUZ macht keine Ferien, und ich bin auch nicht in Sommerlethargie verfallen. Ganz im Gegenteil! Die Funkstille auf diesem Blog hat nur einen einzigen Grund: Ich muss notwendige, aber lästige und zeitaufwändige Arbeit im Hintergrund des Shops erledigen. Google läßt grüßen! So weit sind wir schon – die realen Kunden werden vernachlässigt, um die Suchmaschinen zufrieden zu stellen. SEO – Suchmaschinenoptimierung – wird langsam aber sicher ein rotes Tuch für mich: nie fertig und nie richtig. Grrrrr!!

So ganz hat mich die digitale Welt aber noch nicht aufgefressen. Von guten Vorsätzen beflügelt, ignoriere ich geflissentlich, dass ich eigentlich so langsam meine Winter- und Weihnachtsprojekte angehen sollte. Statt dessen habe mich weiter mit der Ebenseer Kreuzstichelei befaßt. Meinen ersten Versuch mit kleinen Bordüren (übrigens aus dem Buch: „Répertoire des Frises“ von Valérie Lejeune) in blau habe ich vorerst mit dem guten Gefühl, die Sache einigermaßen im Griff zu haben, beendet.

 

Blaue Bordüren Vorderseite

Kleine Muster in Ebenseer – Vorderseite

Kleine Muster Rückseite

Hier die Rückseite

Nun schwebte mir Größeres vor. Es wäre doch reizvoll, einen Wandbehang ganz in Ebenseer Kreuzstich zu sticken. Im Laden aufgehängt, könnte jede Kundin meine Fertigkeit bestaunen! Als Ausgleich für meinen SEO-Frust ging ich sogleich zu Werke. Was mir vorschwebte, war ein langer, schmaler Behang mit vielen Bordüren und Alphabeten. Ideal, um Ebenseer Technik anzuwenden, ohne gleich im Dschungel zu vieler Stiche und Farben verloren zu gehen. Also schnappte ich mir Renato Parolins Buch „Messages personnels“, warf mein Stickprogramm an und verwurstete, was mir passend erschien, zu einer neuen Vorlage. Die bekam den Titel „Messages d’Ebensee“ (beziehungsreich, nicht wahr?) und erstreckt sich über stolze 95 x 698 Stiche. Wie im Buch, sollte auch mein Behang mit rotem Garn gestickt werden. Ich hatte noch aus alten Zeiten ein großes Stück 14-fädiges ungebleichtes Leinen von Permin, das mir beim Kramen zufällig in die Hände fiel und genau meinen Vorstellungen entsprach. Als Garn wählte ich das klassische 815 von DMC. Und los ging’s.

 

Beginn Wandbehang

Erster Anlauf für einen Wandbehang – vorne

Rückseite

… und hinten

Ganz so leicht war das Sticken jetzt doch nicht. Die Richtungswechsel der Bordüre zwangen mich zu steter Konzentration, dennoch mußte ich immer wieder einige Stiche aufmachen. Für eine saubere Rückseite vernähte ich die beiden Fäden separat, was die Arbeit zusätzlich entschleunigte. Aber mich drängte ja niemand zur Eile. Doch genau an der Stelle, die das Foto zeigt, bemerkte ich ihn: den Fehler!!! Die Bordüre rechts kam bei dem querlaufenden Muster genau einen Gewebefaden höher aus als auf der linken Seite. Nein!!! Schließlich fand ich den Fehler, er war schon ziemlich zu Beginn geschehen.

Fehler im Muster

Da oben bin ich einen Faden hoch gerutscht.

Was nun? Aufmachen ist bei Ebenseer Kreuzstich fast ein Ding der Unmöglichkeit, außerdem würden Reste des roten Garns sichtbar bleiben. Schummeln, um auszugleichen? Nein, kommt nicht in Frage. Ich würde stets und ständig diesen Fehler sehen und mich darüber ärgern. Also: nennen wir es „Chance auf einen Neuanfang“. Es gab nämlich noch einen zweiten Grund, der mich innehalten ließ – aber darüber berichte ich Euch demnächst.

Den zweiten Anlauf machte ich ganz bewußt anders. Als Stoff nahm ich den 13-fädigen Belfast in hellsilber (kann ich besser sehen) und die Garnfarbe ist dunkelgraues DMC 317.

Message in Grau

Zweiter Versuch in edlem Grau

Messages perso 2 hinten

Die Fäden auf der Rückseite vernähe ich erst, wenn genügend Stiche zum Durchziehen fertig sind.

 

Bin ich nun verrückt? Mein Göga mimt den Verständnisvollen, guckt mir aber vorsichtshalber gar nicht mehr über die Schulter. Sabine lächelt milde ob meiner Probleme. Und ich sehe in der ganzen Angelegenheit mein großes Sommerabenteuer – den Suchmaschinen zum Trotz.