Gute Vorsätze

Wie heißt es doch so schön: “Der Weg in die Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.” Ihr seid herzlich eingeladen, mich dorthin zu begleiten.

In den fünf Tagen, an denen ich mich ausschließlich mit Sticken beschäftigen konnte, wurde mir bewußt, dass ich einige Baustellen ganz dringend bearbeiten muss.

Schon bei den Vorarbeiten für meine Ajourdecke hatte ich mich über den Stoff geärgert. Ich hatte 11-fädiges French Linen von Permin in cashmere gewählt, weil das Leinen schön weich ist und mir die Farbe gefällt. Beim Auszählen der Fäden für die Einteilung der Quadrate mußte ich allerdings gewaltig aufpassen, um mich nicht ständig zu verzählen. Die Ursache liegt in den verschieden dicken Gewebefäden. Ich weiß, dass ungleichmäßige Fasern geradezu ein Kennzeichen von Leinen sind. Und ich weiß auch, dass einige von Euch gerade dies an Leinen besonders schätzen. Aber für meinen Geschmack waren die Unterschiede doch ziemlich krass. Seht selbst:

Permin French Linen
Die unterschiedlich dicken Gewebefäden sind gut zu erkennen.

Vorsatz #1: Ganz gezielt werde ich nach guten bzw. besseren Leinenqualitäten Ausschau halten. Nebenbei möchte ich einer Frage nachgehen, die zu stellen mir wirklich peinlich ist: Was macht eigentlich gutes Leinen aus, was ist das entscheidende Qualitätskriterium? Bisher hatten wir uns im FADENKREUZ ganz selbstverständlich an die bekannten Firmen gehalten, von denen fast alle Handarbeitsgeschäfte beliefert werden. Ich bin wirklich gespannt, was meine Recherchen ergeben werden.

Wenn neun Kursteilnehmerinnen fast den ganzen Tag miteinander verbringen, wird natürlich auch viel geredet. Dabei wurde mir erneut nur allzu deutlich, wie schade es ist, dass hierzulande die meisten Stickerinnen sich freiwillig auf eine einzige Technik beschränken, nämlich den Kreuzstich. Unter uns Neunen waren drei Damen aus den Niederlanden, die von ihren Stickarbeiten und Aktivitäten erzählten. Man könnte vor Neid erblassen! Nicht nur, dass andere Sticktechniken ausprobiert werden, wie Reticella, Schwälmer, Blackwork, Stopfmuster, Zierstiche… Auch die fertigen Stickereien werden nicht nur als Bild oder Mustertuch, sondern oft als nette Kleinigkeiten gearbeitet, die dann auch durchaus untereinander getauscht oder verschenkt werden.

Vorsatz #2: Des öfteren mal über den eigenen Tellerrand schauen. Mehr ausprobieren, auch wenn am Ende vielleicht nur die Erkenntnis steht, dass diese oder jene Sticktechnik mir nicht zusagt. In diesen Zusammenhang gehört auch die feste Absicht, Ausstellungen zu besuchen, die mehr bieten als nur Verkaufsstände (wie etwas das diesjährige Textiel Festival Leiden oder die Textile Art Berlin am vergangenen Wochenende).

Die Liste der guten Vorsätze ist natürlich noch länger – Fortsetzung folgt.

Morgen fahre ich ins Sauerland nach Kirchhundem, um wieder einige Bilder rahmen zu lassen. Hoffentlich wird’s nicht allzu heiß!