PAPA – und Stopfmuster

Kennt Ihr PAPA? Nein, ich meine nicht den, der Euch radfahren und schwimmen beigebracht hat und der sich Eurem Göttergatten handwerklich immer noch überlegen fühlt. PAPA – so lautet der Titel einer ganz besonderen Stickvorlage. Ich bin ihr vor längerer Zeit auf einem französischen Blog begegnet. Dummerweise hatte ich mir damals nicht gemerkt, wer die Bloggerin war, und eigentlich hatte ich natürlich nicht die Stickvorlage, sondern ein phantastisches Stickbild gesehen. PAPA spukte seitdem in meinem Kopf.

In meinem Hinterstübchen spukt allerdings auch noch so manch Anderes, unter anderem die Stopfmustertücher, die momentan bei unseren niederländischen Stickschwestern für Furore sorgen. “Stopfmuster” – das klingt nach alten Wollsocken und Omas Stopfpilz, wenig aufregend also. Als mir jedoch vor ein paar Monaten eine Holländerin einige(!) ihrer Stopfmustertücher zeigte, war ich fasziniert von der grafischen Wirkung dieser Arbeiten. Leider, leider habe ich keine Fotos gemacht… Stopfmustertücher haben in den Niederlanden eine lange Tradition, so dass es nicht verwundert, dass sie ausgerechnet dort heute wieder neu entdeckt werden. Die Mädchen früherer Zeiten sollten damit auch nicht etwa Sockenstopfen üben, sondern sie lernten, wie fein gewirkte Vorhänge und wertvolle Möbelstoffe ausgebessert werden. Die “Flicken” mussten dabei das Webmuster aufnehmen, um möglichst unauffällig zu bleiben. Da es eine nahezu unbegrenzte Musterungsvielfalt bei gewebten Stoffen gab, war es für angehende Hausmädchen wichtig, entsprechende Fertigkeiten zu erwerben und dies zu dokumentieren. Von künftigen Ehefrauen, die sich nicht in fremden Häusern verdingen mussten, wurde erwartet, dass sie die Aussteuerwäsche in Ordnung halten konnten.

PAPA und die Stopfmustertücher – irgendwann musste ich über Sabine Taterra-Gundacker stolpern. Ihre Leidenschaft sind Mustertücher, quer durch die Jahrhunderte und die Regionen. “Alte Mustertücher – nachgestickt” lautet das Motto ihrer Homepage. Historische Mustertücher, teils aus Museen, teils aus Privatbesitz, sind von ihr in oft monatelanger Arbeit akribisch “abgeschrieben” worden. Quasi im Umkehrverfahren entstanden so Stickvorlagen, mittels derer die alten Tücher heute wieder nachgestickt werden können.

Wir haben aus den vielen Vorlagen, die Sabine Taterra-Gundacker inzwischen erstellt hat, vorerst einige wenige herausgepickt, von denen wir annehmen, dass sie für Euch genauso interessant sind wie für uns:

Auf dem Tisch: neue Stickvorlagen
Neu im Shop: Stickvorlagen nach alten Mustertüchern

Außer PAPA seht Ihr hier noch drei sehr verschiedene Stopfmustertücher, ein Vierlande-Tuch und ein Mustertuch mit Alphabeten, das für Fans von Marie-Thérèse Saint-Aubin interessant sein dürfte. Diese Vorlagen gibt es in dieser neuen Kategorie im FADENKREUZ.

Unbedingt möchte ich noch auf die liebevolle Aufmachung der Stickvorlagen hinweisen: Die Muster sind schön groß gedruckt und benötigen entsprechend viele DIN A4-Seiten. “St. Gallen” z.B. erstreckt sich über 24 Seiten plus 3 Seiten Anhang. Die Blätter sind gelocht und werden mit einem bunten Seidenbändchen zusammengehalten. Eine Verstärkung aus farbigem Wellpapier sorgt für Stabilität. Das Ganze steckt in einer Dokumentenmappe, die mit einem Druckknopf leicht geöffnet und geschlossen werden kann.

Und nun: “PAPA” oder doch “St. Gallen”? Ich werde mich wohl oder übel entscheiden müssen. Demnächst…