Santa’s Village – die Entscheidung

Am letzten Tag des vergangenen Jahres hatte ich meine Noch-nicht-Fertigs gebeichtet und über künftige Projekte geplaudert. Ich war erstaunt, dass ausgerechnet meine Schwierigkeiten mit Santa’s Village auf so viel Anteilnahme bei Euch stießen.

Unsere Kundin Sabine W. hat mir per Mail einige gute Tipps gegeben, wie sie selbst bei ähnlichen Problemen verfährt:

“- für die Schneeflocken: weiß durch hellblau ersetzen
– durch silbernes Garn ersetzen, einen silbernen Beilauffaden mitnehmen
– in den reichen Fundus der hellmelierten fast weißen Garne gucken
– bei Schneeflächen die äußerste Reihe zum Stoff mit einem weißen und einem  grauen Faden sticken, das ist besser als das elende Umstechen.”

Vielen herzlichen Dank, liebe Sabine W., ich glaube, dass so manche Stickerin sich an diese Ratschläge dankbar erinnern wird. In meinem konkreten Fall möchte ich allerdings keine Garne austauschen, weil Stickbilder, die wir im Laden zeigen, der Vorlage möglichst unverfälscht entsprechen sollen. Würde ich nur für die eigenen vier Wände sticken, hätte ich das Weiß für den Schnee gnadenlos durch einen silbergrauen Farbton ersetzt.

So aber begab ich mich auf die Suche nach dem optimalen Stoff. Auch hierfür hatte Sabine W. einen Tipp:

“Ich sticke alle Weihnachtsvorlagen auf ungebleichtem Leinen, weil ich das viel heimeliger finde.”

Genau meine Meinung! Warum bin ich eigentlich nicht selber darauf gekommen? Ein Blick auf unsere Stoffballen machte mir die Entscheidung leicht: das 13-fädige ungebleichte Leinen von Permin ist ziemlich dunkel, das Belfast rohleinen dagegen recht hell und damit genau der Farbwert, den ich so lange gesucht hatte. Hurra, Problem gelöst!

Problem gelöst? So schnell leider nicht – nicht bei mir! Wenn ich schon ein zweites Mal anfange, dann möchte ich auch alle Aspekte in meine Überlegungen einbeziehen. Inzwischen habe ich nämlich so oft auf Santa’s Village gestarrt, dass meine anfängliche Begeisterung sich etwas gelegt hat und einem nüchternen Blick auf die Vorlage gewichen ist. Was mich jetzt stört? Nun, nach der jetzigen Weihnachtsdekoration im Laden weiß ich nicht mehr, wohin mit noch einem großen Bild (zumal es ja nicht das Letzte sein wird, das wir für Weihnachten sticken) – kleiner wär feiner.

Der andere Einwand betrifft den Stil. Ich mag die Entwürfe von Country Cottage Needleworks, sie sind nett, freundlich und harmonisch. Das wahre Leben ist oft hart genug, da darf es beim Sticken durchaus etwas Balsam für die Seele geben. Aber manchmal streift die Harmonie auch die Grenze zum “Zuviel”. Zuviel Harmonie, zuviel Nettigkeit kann auf so manchen Betrachter schon kitschig wirken. Und Santa’s Village bewegt sich genau auf dieser Grenze. Zu Weihnachten gehört auch etwas Zuckerguß, keine Frage, und der ist in diesen 12 Vorlagen durchaus zu finden. Aber ein großes Bild für die Weihnachtszeit und das auch noch niedlich – eigentlich nicht mein Ding.

Die Lösung liegt auf der Hand: kleiner sticken! Also habe ich beschlossen, Santa’s Village auf Belfast rohleinen über einen Faden zu sticken. Mit Elan ging ich ans Werk!

Santa's Village auf Belfast
erste Stiche auf Belfast über einen Faden

Und schon wieder fand ich ein Haar in der Suppe. Ich hatte beim Sticken das Gefühl, im Schneckentempo zu arbeiten. Über einen Faden zu sticken, dauert ohnehin länger als klassisch über zwei Fäden. Mehr zu vernähen, schlechter zu sehen, ganze Kreuzchen komplett, die Lupe stört auch… Ich sticke ja nicht zum ersten Mal “Kreuzstich mini”, diesmal jedoch beschlich mich das ungute Gefühl, bei diesem Tempo niemals fertig zu werden. Die Stiche gefielen mir auch nicht, sie schienen sich gegenseitig zu stören.
Viel gestickt hatte ich noch nicht, wie Ihr seht, also gönnte ich mir ein kurzes Innehalten. Wenn das Sticken mit einem Faden auf Belfast nicht gut funktioniert, und wenn – wie ich aus Erfahrung weiß – das Gleiche auf Cashel etwas zu licht wirkt, was bleibt dann noch? Ich stürmte in den Laden (hab’s ja glücklicherweise nicht weit) und fischte einen Abschnitt von Weddigen 113N aus dem Korb. Ein kurzer Vergleich mit Belfast und ich wußte: Endlich hatte ich den perfekten Stoff für mein Vorhaben gefunden. Nähmaschine raus, flott den Stoff umketteln und schon konnte es losgehen.

Und was glaubt Ihr? Diesmal stimmte alles: das Tempo war normal, mein innerer Widerstand verschwunden, und das Sticken machte sogar wieder Spaß!

Santa's Village - Neustart
erneuter Start auf Weddigen 113N

Im Moment muss ich mich einigen anderen Vorhaben widmen, so dass ich an Santa’s Village nur sporadisch weiterarbeiten kann. Drückt mir die Daumen, dass das Weihnachtsdörfchen rechtzeitig im Herbst fertig wird.

Bin ich eigentlich besonders schwer zufrieden zu stellen, oder macht Ihr auch eine längere Phase des Auswählens, Verwerfens und Abwägens durch, bevor Ihr ein neues Projekt beginnt?