Zurück aus Paris

In diesem Jahr war die Reihe wieder an mir, zur Aiguille en Fête nach Paris zu fahren. Diesmal mischte sich unter die Vorfreude auf vier außergewöhnliche Tage leider auch ein wenig Beklommenheit, zumal kurz vorher der Ausnahmezustand für die Stadt wegen der weiter bestehenden Gefahr von Terroranschlägen um weitere drei Monate verlängert worden war.

AEF 2016 Plakat

Von der Aiguille en Fête erhoffen wir uns stets neue Impulse und neue Entdeckungen. Vor etlichen Jahren habe ich dort mit Marie-Thérèse Saint-Aubin abenteuerlich radebrechend verhandelt, dann Tralala und Jardin Privée entdeckt und vor zwei Jahren zum ersten Mal die phantastischen Blumenbilder der Brodeuses Parisiennes gesehen. Diesmal waren meine Erwartungen nach einem kurzen Studium des Ausstellerverzeichnisses schon deutlich gedämpfter. Viele “Créatrices” waren erst gar nicht mit einem eigenen Stand vertreten, sondern ließen ihre Entwürfe von (wenigen) großen Händlern zeigen. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass – wie auch in Deutschland – Stricken und Häkeln sehr viel Interesse auf sich ziehen – es gab herrlich gefärbte Wolle in unterschiedlichsten Ausführungen. Auch Näh- und Patchworkbegeisterte konnten schwelgen. Selbst das Klöppeln war relativ stark vertreten. Mindestens zehn Minuten schaute ich mit kreisrunden Augen einer Klöpplerin zu, die mit stoischer Ruhe die Arbeit an einer komplizierten Spitze demonstrierte – meine Hochachtung!

Nur das Sticken war für meinen Geschmack bei den Ausstellern unterrepräsentiert. Zwar wurde viel hochkarätige Stickerei in den Sonderausstellungen gezeigt, aber für die kauflustige Durchschnitts-Stickerin ohne weitergehenden künstlerischen Anspruch (zu denen ich mich auch zähle) war das Angebot ein bißchen dünn. Dennoch: Die relativ wenigen Stände waren stets dicht umlagert, das Interesse bestand bei vielen Besucherinnen also sehr wohl.

Wie in jedem Jahr gab es auch diesmal textile Kunst zu bestaunen. Das übergreifende Thema waren die textilen Schätze aus der Tradition Mittelamerikas. Offen gestanden hat mich die Farbpracht dermaßen überwältigt, dass ich fast gar nicht auf die Erläuterungen zu den Ausstellungsstücken geachtet habe. Die Fotos (sorry, nur Handy-Qualität) geben daher meinen unsortierten Blick wider (für eine größere Darstellung bitte aufs Bild klicken):

besticktes Oberteil
Ein reich besticktes Oberteil
Stickerei aus Mittelamerika
Stickerei aus Mexiko
Stickerei aus Mexiko
Ebenfalls aus Mexiko: farbenprächtige Woll-Stickerei
Molas
Molas – Applikationen der Kuna aus Panama
Mola mit Vögeln
Ein Vogelmotiv im Detail
brasiliansiche Stickerei
Eine weitere Stickerei aus Brasilien

Neben diesen traditionellen Arbeiten wurde natürlich auch zeitgenössische Textilkunst gezeigt. Aus der Fülle der Objekte hier eine kleine willkürliche Auswahl:

gesticktes Herz
Eine Hommage an den bevorstehenden Valentinstag?
Stickkunst heute
Hätte ich mir gerne von hinten angesehen…
kleines textiles Objekt
Faszinierend filigran
figürliche Kunst
Skurril und rätselhaft
Netz von ODON
Teil eines riesigen spiralförmigen Netzes
zum Schmunzeln
Schmunzelkunst
Vogel von Sophie Touret
Liebling der Besucher: die Objekte der Künstlerin Sophie Touret
Tierkopf
Eine Skulptur des Brasilianers Mozart Guerra
Patchwork
Das Projekt PATCH! mit unzähligen individuell gestalteten Quadraten…
Das Projekt PATCH!
…präsentierte sich als ein großes Gesamtkunstwerk.
runde Spitzendecke
Spitze!

Nun glaubt bitte nicht, das sei schon alles gewesen. Morgen zeige ich Euch, was der Rest des Tages erbracht hat.